Die
Hauptursache für die entstehende Sporenbildung (Stockflecken,
Schimmel) ist die Entstehung von Kon-denswasser in der Wohnung. Wie
kommt es zu Kondenswasser? Kondenswasser bildet sich immer dann, wenn
eine sich aus dem Verhältnis von Lufttemperatur und relativer
Luftfeuchte ergebende Taupunkttemperatur unterschritten wird. Beim
Wohnen wird zwangsläufig ständig Feuchtigkeit produziert.
Nicht nur durch Kochen, Baden, Duschen oder Wäschetrocknen in
der Wohnung, sondern auch durch normale Atemluft und auch durch Blumen
und Grünpflanzen, die das gesamte Gießwasser wieder verdunsten,
wird eine erhebliche Menge Wasser in Form von unsichtbarem Wasserdampf
an die Raumluft abgegeben. Für die Raumluft bedeutet dies, daß
schon bei normalen Zimmertemperaturen etwa 115 Liter Wasser dampfförmig
in einem Raum von ca. 50 m³ verteilt sind. Wasser aber kann man
niemals vernichten, nicht einen einzigen Tropfen. Die Luft kann aber
nur eine begrenzte Menge Wasser aufnehmen. Eine starre Grenze gibt
es nicht, denn das Speichervermögen der Luft verändert sich
mit der Lufttemperatur. Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf als
kalte Luft. Wird diese Sättigungsgrenze überschritten, schlägt
sich die Feuchtigkeit an der kältesten Stelle des Raumes nieder.
Die kälteste Stelle ist in einer Wohnung ohne Isolierverglasung
immer das Fenster. Trifft warme Raumluft auf das Fenster, beschlägt
es. Sind aber Isolierglasfenster vorhanden, so beschlagen die Fensterscheiben
plötzlich nicht mehr. An der Luftfeuchtigkeit hat sich aber grundsätzlich
nichts geändert. Die Feuchtigkeit muß sich somit an anderen
Stellen des Raumes niederschlagen. Das sind insbesondere schlecht
belüftete Wandbereiche (z. B. Außenwandecken, hinter dicht
an Wänden stehende Möbelstücke, Zimmerecken).
Vermeidung von Schimmelbildung
Der Befall mit Sporen bzw. Schimmelpilzen wird vermieden, indem
die Wohnung richtig gelüftet und richtig beheizt wird.
Was aber ist richtiges Lüften? Die Fachliteratur und die Rechtssprechung
gehen davon aus, daß bei isolier-verglasten Fenstern ein drei-
bis viermaliges Stoßlüften am Tag für 10 Minuten
ausreichend ist.
Was ist richtiges Heizen? Neben dem richtigen Lüften muß
der Mieter auch dafür sorgen, daß durch ordnungs-gemäße,
zumutbare Beheizung die Zimmerwände nicht zu kalt werden. Wie
viel der Mieter heizen muß, hängt nicht nur davon ab,
wie warm er es persönlich gern hätte. Auch hierzu hat
die deutsche Rechtssprechung Min-destanforderungen festgelegt:
Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche mindestens
20 °C
Bad mindestens 21 °C
Schlafzimmer mindestens 15 °C
Ein weiterer, nicht unerheblicher Aspekt ist, daß durch richtiges
Heizen und Lüften überproportional Heiz-energie eingespart
werden kann. So hat z. B. Luft von 22 °C und 45 % relativer
Luftfeuchte (r. F.) einen Wärmeinhalt von 40,9 kj/kg, bei 70
% r. F. sind es bereits 51,6 kj/kg, bei 80 % r. F. 55,9 kj/kg und
bei 90 % r. F. sogar 60,3 kj/kg. Dies bedeutet, daß man, um
die Raumtemperatur von 22 °C zu halten, bei einem Anstieg der
Luftfeuchte auf 70 % rund 26 % mehr Heizenergie benötigt. Beträgt
die Feuchte 80 %, sind es schon 37 % und bei 90 % r. F. sind es
sogar 47 % mehr Heizkosten gegenüber der Luft von 45 % r. F.
Selbst bei einer Erhöhung auf nur 60 % r. F. beträgt der
Heizenergie-Mehraufwand 16 %.
Aus diesen Ausführungen geht hervor, daß immer dafür
Sorge getragen werden sollte, daß die relative Luft-feuchte
in den Wohnräumen zwischen 40 % und 50 % liegt.
Tips zum richtigen Heizen und Lüften
1. Auch im Frühjahr und Herbst sollten (bei Anwesenheit) folgende
Temperaturen eingehalten werden (Temperaturen siehe oben).
2. Die Heizung auch bei Abwesenheit tagsüber nie ganz abstellen.
Ständiges Auskühlen und Wiederaufheizen ist teurer als
das Halten einer abgesenkten Durchschnittstemperatur.
3. Innentüren zwischen unterschiedlich beheizten Räumen
tags und nachts geschlossen halten.
4. Nicht vom Wohnzimmer das Schlafzimmer mitheizen. Das "Überschlagenlassen"
führt nur warme, feuchte Luft ins Schlafzimmer; diese schlägt
dort ihre Feuchtigkeit nieder.
5. Richtig Lüften bedeutet: Die Fenster ganz öffnen (Stoßlüften).
Kippstellung ist wirkungslos und verschwen det Heizenergie.
6. Morgens in der ganzen Wohnung einen kompletten Luftwechsel durchführen.
Am besten Durchzug machen, ansonsten in jedem Zimmer das Fenster
weit öffnen.
7. Die Mindestzeit für die Lüftung hängt von dem
Unterschied der Zimmertemperatur zur Außentemperatur ab.
8. Selbst bei Windstille und geringem Temperaturunterschied reichen
in der Regel 15 Minuten Stoßlüftung aus.
9. Je kälter es ist, desto kürzer muß gelüftet
werden.
10. Einmal täglich lüften genügt nicht, vormittags
und nachmittags nochmals die Zimmer lüften, in denen sich Personen
aufhalten. Abends einen kompletten Luftwechsel incl. Schlafzimmer
vornehmen.
11. Nicht von einem Zimmer in ein anderes, sondern nach draußen
lüften.
12. Besonders nach dem Baden oder Duschen lüften, damit sich
der Wasserdampf nicht in der ganzen Wohnung verteilt.
13. Große Mengen Wasserdampf (z. B. durch Kochen) sofort nach
draußen ablüften. Auch hier durch Schließen der
Zimmertüren verhindern, daß sich der Dampf in der Wohnung
verteilt.
14. Keine Wäsche in der Wohnung trocknen!
15. Nach dem Bügeln lüften.
16. Auch bei Regenwetter, wenn möglich, lüften.
17. Luftbefeuchter sind überflüssig.
18. Bei Abwesenheit über Tage ist natürlich auch das Lüften
tagsüber nicht möglich und auch nicht erforderlich! Hier
reicht es, morgens und abends richtig zu lüften.
19. Bei Isolierglasfenstern häufiger lüften als früher.
Auch dann spart man Heizenergie.
20. Große Schränke nicht zu dicht an kritische Wände
rücken.
Schlußbemerkungen
Wenn Sie all die in den vorangegangenen Ausführungen gemachten
Hinweise beachten und befolgen, trocknen eventuelle Befallstellen
sehr schnell aus. Erst dann sollte man die zurückbleibenden
ausgetrockneten Flecken durch eine Renovierung beseitigen. Die Befallstellen
sollten dabei mit Reinigungsmitteln (Essigessenz) behan-delt werden.
Moderne Energiesparfenster haben außerdem noch eine besondere
Eigenschaft. Sie dichten das Zimmer nach außen hermetisch
ab. Die Folge davon ist, daß Heizenergie und Feuchtigkeit
im Raum bleiben. Es findet kein automatischer Austausch trockener
Außenluft gegen feuchte Raumluft statt. Somit kommt es zu
Sporenbildung bzw. Wachstum von Schimmelpilzen an den kalten, schlecht
belüfteten Wandbereichen in Verbindung mit Salzen, Mineralien,
aber insbesondere mit organischen Stoffen wie Tapeten und Tapetenleim.
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